Studienreise nach Moskau

Ich saß gerade bei irgendwelchen Studienarbeiten als eine von so vielen Rundmails meiner Hochschule mich erreichte. Fast wollte ich die Mail schon wegwischen, als sie dann doch meine Aufmerksamkeit weckte. Es hieß im Titel „Studienreise nach Moskau“ und da war ich dann doch neugierig.

In der Mail an sich gab es dann wenig Infos, es sollte aber noch eine Infoveranstaltung folgen.
Zu besagten bin ich dann auch hin, mit der Stimmung „kann man sich ja mal Anhören“. Oft sind solche Reisen mit (wie ich finde) hohem Aufwand für die Studenten verbunden, irgendein Bericht schreiben oder einen Vortrag halten. So etwas kam für mich aus Zeitgründen einfach nicht in Frage.
Doch es stellte sich heraus, dass es kaum Aufwand um die Reise herum geben wird und die Studenten nur den Flug, Visa und Gastgeschenke organisieren müssen. Zudem erhält man noch ein Stipendium für die Flugkosten.

Da sich einige für die Reise interessierten wurden die 10 Studenten, die dann letztendlich teilnehmen durften über ein Motivationsschreiben ausgewählt. Gesagt, geschrieben, abgeschickt. Nun hieß es warten und nochmals warten. Bis endlich die Entscheidung fiel verging ein ganzer Monat (da ich zu der Kategorie Mensch gehöre, die super neugierig ist und kaum abwarten kann, ein wirklich harter Monat).

Die Email mit der Entscheidung, dass weiß ich noch fing mit so einem Standardtext an a la „Wir haben uns sehr gefreut, dass sich so viele beworben haben, aber es können nur 10 Studenten mit“.
Ich dachte schon jetzt kommt gleich „es tut uns leid, aber wir haben uns gegen Sie entschieden“, doch das kam nicht. Den zweiten Teil der Email musste ich echt zwei Mal lesen bis ich realisierte, dass ich dabei sein werde.

Nun ging es erstmal zum nächsten Treffen, in dem die Formalitäten besprochen wurden.

Die Zeit verging, die Gruppe buchte in den Semesterferien im Sommer den Flug und als dann endlich wieder alle nach der Sommerpause in Deutschland waren konnte auch das Visum beantragt werden.
Das hört sich einfacher an, als es tatsächlich war. Leider hatte es einige Missverständnisse mit den begleitenden Professorinnen gegeben. Zum Glück wurden die dann nach und nach alle Probleme gelöst und auch allen wurde das Visum noch rechtzeitig gewährt.

Die Studienreise dauerte eine Woche und wir (wenn ich von „wir“ rede, meine ich die Studiengruppe) wurden von der russischen Universität für Transport (RUT/MIIT) empfangen. Während des kompletten Reise waren wir in Moskau.

Es gab jeden Tag einige Vorträge, manche davon auch in ausgewählten Firmen. So waren wir meist Vormittags an der Universität und hörten dort eine Vortrag, sowie Mittags ein Unternehmensbesuch. Die Vorträge an der Universität waren ganz ok. Ich übte fleißig das Augen offen halten, wenn mir eigentlich zum Einschlafen war :D.
Die Vorträge in den Unternehmen waren teils spannend, teils aber auch sehr langweilig. Oft konnte der Vortragende nur sehr wenig Englisch, was dann dazu führte, dass eine der Professoren vom russischen ins deutsche übersetzte. Dann war es nicht nur langweilig, die Simultanübersetzung machte es auch recht anstrengend aufmerksam zuzuhören. Daher waren die Vorträge an sich nicht so spannend, aber da sehr unterschiedliche Unternehmen besucht wurden war der Stil und die ganze Art uns zu empfangen sehr vielfältig und somit sehr spannend.

Besucht wurden „klassisch russische“ Unternehmen, wie Russian Railway/RZD (verantwortlich für den öffentlichen Personenverkehr in Zügen) oder RUSAL (ein Aluminiumhersteller) aber auch international agierende Unternehmen, wie SAP (Softwarehersteller), PWC (Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft) und IC (russischer Softwarehersteller).

Diese Unterschiede empfand ich als Reisende so besonders spannend, da es tiefe Einblicke in die russische Denkweise gab und so die direkten Unterschiede sichtbar wurden. Daher hier ein direkter Vergleich.

russische Unternehmen nicht-russische Unternehmen
Es war absolut nicht erlaubt Fotos zu machen. Fotografieren war erlaubt.
Es wurde das eigene Unternehmen verglichen (meist mit anderen der großen Drei (China, Amerika, EU) und deutlich betont, dass Russland bzw. das eigene Unternehmen dazu gehört. Der Vortrag handelt vom eigenen Unternehmen. Es wurde erklärt, was sie tun und für wen sie welche Lösungen anbieten. Auch wurden Probleme benannt, die sie mit vergangenen Produkten hatten und wie diese gelöst wurden.
Darstellung der Wichtigkeit des Unternehmens für Russland und warum es das Beste ist.*
Betonung: Die Räume, in denen wir uns aufhalten durften, sind sehr wichtig. Es würden hier sehr wichtige strategische Entscheidungen getroffen und nur sehr wichtige Mitarbeiter dürfen den Raum betreten.

*Hierzu gibt es noch eine lustige Anekdote für die Informatiker unter uns: in dem russischen Eisenbahnunternehmen wurde uns die Wichtigkeit des Unternehmens so häufig deutlich gemacht, dass sie es kaum öfter hätten sagen können. Wir durften dann noch in den „Kontrollraum“, auf dem auf einem großen Bildschirm (etwa 6 x 4 Meter) die ganzen Züge rund um Moskau beobachtet wurden. Es wurde hier noch mit Windows XP (Erstveröffentlichung 2001) gearbeitet und während der Präsentation hat sich die Software sogar aufgehängt :D.
Das war einer dieser großen Widersprüche: Betonung, dass man super Wichtig ist, aber noch mit XP arbeiten.

Da für mich das Reisen auch immer bedeutet in eine andere Welt einzutauchen und so viel wie möglich von der Denkweise, der Kultur und der Art der dort lebenden Menschen mitzunehmen war für mich die Studienreise super interessant. Es gab so direkte Einblicke, wie die Menschen dort arbeiten und wie wichtig auch die Stellung mancher Unternehmen ist, was ich sonst, auf einer normalen Reise nicht erfahren hätte.

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