Von Mestia nach Uschguli

Ich bin begeisterte Wanderin und so stand für mich schon etwas länger fest, dass ich unbedingt mal eine Mehrtageswanderung unternehmen möchte.
Während meiner Recherchen las ich, dass man in Georgien eine solche Wanderung machen kann. Da war ich natürlich sofort Feuer und Flamme.
Als dann fest stand, dass ich nach Georgien fliegen sollte wurde natürlich alles um die Wanderung herum geplant.

Zu Beginn möchte ich noch sagen, dass man in Mestia noch sehr viel mehr machen kann, als nur die eine Mehrtageswanderung. Es gibt einige Tageswanderungen die sich auch lohnen. Ich berichte hier allerdings nur von der „klassischen“ 4-Tageswanderung.

Der Weg nach Mestia

Vorbereitung und Planung

Die Wanderung

Tag 1 von Mestia nach Zhabeshi

Tag 2 von Zhabeshi nach Adishi

Tag 3 von Adishi nach Iprari

Tag 4 von Iprari nach Uschguli

Von Uschguli wieder weg

Fazit

Der Weg nach Mestia

Ich bin von Kutaisi nach Mestia aus gefahren. Die Fahrt hat 27 Lari (~8,40€) gekostet. Hier merkt man bereits, dass sich die Preise Richtung Mestia erhöhen, später dazu mehr.
Die Fahrt ging ewig und ich war mir am Anfang absolut nicht sicher, ob ich überhaupt in der richtigen Maschrutka sitze, da der Fahrer einen riesen Bogen gefahren ist.

Irgendwann ging es dann Richtung Mestia, worüber ich doch sehr dankbar war. Ich sah mich schon irgendwo am A*** der Welt einem nichts verstehenden Georgier erklären müssen, wo ich hin möchte.
In Zugdidi musste ich dann nochmal umsteigen, in eine andere Maschrutka.

Der Fahrer der ersten Maschrutka hat hier auch versucht mich abzuziehen. Ich hatte in Kutaisi bereits 27 Lari für die komplette fahrt bis nach Mestia gezahlt. Als mich der Fahrer dann anwies, in die andere Maschrutka zu steigen, deutete er an, ich solle hier nochmal 20 Lari zahlen. Als ich dann anfing einen Aufstand zu machen gab er dem Fahrer der neuen Maschrutka die 20 Lari die er zuvor aus seiner eigenen Kasse genommen hatte. Somit: Immer aufpassen und sich nichts sagen lassen.

In Zugdidi wurde dann ewig gewartet, bis die Maschrutka bis auf den letzten Platz belegt war. Nach einer halben Ewigkeit ging es dann endlich los. Zu Beginn waren die Straßen noch recht gerade und gut gebaut, doch das sollte sich bald ändern, denn sobald man etwas weiter in den Bergen drinnen war wurde es kurviger und kurviger.

trotz des kurvigen Weges hatte man schon einen tollen Ausblick auf dem Weg nach Mestia
trotz des kurvigen Weges hatte man schon einen tollen Ausblick auf dem Weg nach Mestia

Einer Sitznachbarin, mit der ich mich noch in Zugdidi unterhalten hatte wurde so schlecht, dass sie leider erbrechen musste. Zum Glück hatte ich (wie fast immer als Hundebesitzer) Hunde-Kot-Beutel dabei. Da mir aber eh schon schlecht war, weiß ich bis heute nicht, wieso es mir nicht auch so erging. Es war echt hart dem Drang zu widerstehen.
Die Fahrt zog sich dann doch sehr, trotz der rasanten Fahrweise des Fahrers und so kam ich erst gegen 17.30 Uhr in Mestia an.

Angekommen habe ich dann erstmal meine Unterkunft gesucht. Leider war diese in Maps.Me falsch eingezeichnet.  Zum Glück lief ich zwei hilfsbereiten Männern über den Weg, die mir dann halfen die Unterkunft zu finden.
In der Unterkunft, die ich vorher extra über Booking.com gebucht hatte schaute man mich dann erstmal an, nach dem Motto „Was will die denn hier“. Ich zeigte ihnen meine Buchung auf dem Handy, doch da es auf deutsch war glaube ich nicht, dass sie sonderlich viel verstanden haben.
Ich denke, deren Unterkunft war überbucht, doch da ich keine Anstallten machte zu gehen, mussten sie dieses Problem auf jeden Fall lösen.

die Aussicht aus meiner Unterkunft in Mestia
die Aussicht aus meiner Unterkunft in Mestia: ein typisch georgischer Wachturm

Mir wurde dann versucht zu erklären, dass ich mitkommen solle, die Schwester der Unterkunftsbesitzerin hätte vielleicht noch ein Bett frei. Doch leider war diese auch ausgebucht und so ging es dann weiter zu einer Nachbarin. Sie hatte noch ein Zimmer frei. Hier bekam ich ein gemütliches Doppelzimmer mit Ausblick, auf einen für Georgien typischen Wachturm.

Ich hab dann nur meine Sachen abgelegt, was wärmeres angezogen (Nachts wurde es immer erstaunlich kalt) und bin mir noch ein paar Vorräte für die nächsten Tage anzulegen. Dazu später mehr.

Als ich das Gasthaus verließ waren keine weiteren Zimmer belegt. Das hatte sich dann aber mittlerweile geändert, denn als zurück kam, ich die Tür rein, sah ich einen nackten Kerl überrascht vom Badezimmer in sein Zimmer huschen. Am Abend haben wir uns dann noch lange unterhalten und er meinte, dass er gar nicht damit gerechnet hatte, dass hier noch jemand übernachten könnte. Er hat mir auf jeden Fall etwas den Tag versüßt, denn den ganzen Tag in einer Maschrutka zu verbringen, ist echt kein Spaß.

Vorbereitung und Planung

Ich würde dir empfehlen, dir schon bevor du nach Mestia kommst einige Gedanken zu machen. Zum einen ist in Mestia alles deutlich teurer als beispielsweise in Tiflis. So hat eine Übernachtung mit Frühstück 30 Lari (~10€) gekostet (im Vergleich: in Tiflis habe ich zwischen 9 und 12 Lari gezahlt).
So kostet natürlich auch das Essen in den kleinen Supermärkten mehr.
Zudem gibt es in Mestia keinen richtigen Markt, wie man es vielleicht aus Tiflis oder Kutaisi kennt. Es gibt nur einige kleine Läden, die unter anderem Obst, Gemüse, einige Getränke und Brot anbieten. Empfehlenswert ist es daher, schon bevor du nach Mestia fährt einige Nahrungsmittel zu besorgen. Ich habe mir für die Tage mit Brot, Bananen, Käse (der leider sehr salzig war) und Pflaumen eingedeckt. In den meisten Gasthäusern auf dem Weg nach Uschguli ist Frühstück und Abendessen inklusive, ein Lunchpaket kostet oft extra. Daher am besten schon vorher ein paar Lebensmittel mitnehmen (oder dir beim Frühstück etwas mitnehmen).

In den kleinen Dörfern sind die Unterkünfte dann nochmal teurer. Ich habe zwischen 50 und 60 Lari (~15-19€) pro Nacht gezahlt. Meistens konnte ich mit den Betreiber etwas handeln, jedoch nur um 5 Lari.
Wichtig ist auch, dass du ausreichend Bargeld auf der Wanderung mit hast. Die Dörfer sind tatsächlich nur Dörfer von teilweise nicht mal 10 Häusern. Dort gibt es keinen Geldautomaten und es wird auch nur Bargeld akzeptiert. Auch brauchst du Geld um von Uschguli wieder zurück nach Mestia zu gelangen. Das erkläre ich später aber noch genauer.

Falls du noch Ausrüstung benötigst solltest du die auch schon vorher beschafft haben. In Mestia gibt es zwar einige kleinere Läden, die auch ausleihen, aber wie bereits erwähnt zu sehr hohen Preisen.

Falls du nicht deine kompletten Sachen auf der Wanderung tragen möchtest kannst du auch Einiges in Mestia in der Unterkunft lassen. Einfach mal bei den Gastgebern nachfragen. Da ich mit meinem großen Rucksack endlich mal wandern gehen wollte, (es ist ja eigentlich ein Wanderrucksack) habe ich alles getragen, was ich mit hatte.
Dadurch war ich zwar etwas langsamer als andere und bergauf habe ich meinen Rucksack auch regelrecht verflucht aber ich habe es geschafft und war am Ende mächtig stolz auf mich.

Der Weg von Dorf zu Dorf ist sehr einfach zu finden. Zum einen gibt es Wegmarkierungen und von Zeit zu Zeit steht auch immer mal wieder ein Schild, mit der Kilometerangabe, wie weit es noch ist.
Es gibt zudem eine wirklich gute Website im Internet (zur Website (engl.)), auf der der komplette Weg beschrieben ist und man sich auch Weg-Dateien runterladen kann. Um diese zu öffnen wird dann eine App benötigt (auf der Website ist alles dazu erklärt). Ich fand die Dateien zwar ganz nützlich habe mich aber hauptsächlich mit Maps.Me navigiert.
In der Weg-Datei ist zwar der Weg, den man gehen soll rot eingezeichnet und man sieht auch sich selbst über die GPS-Position, allerdings werden keine weiteren Wege eingezeichnet. So war ich bei einigen Kreuzungen unsicher, welchen Weg ich gehen muss. Das war bei Maps.Me deutlich besser. Die App kennt in dem Gebiet nahezu alle Wege und führt einen sicher von Dorf zu Dorf. Ich habe dann irgendwann die Weg-Dateien nur noch genommen, um zu kontrollieren, wie Maps.Me mich schickt.

In den Gasthäusern in den Dörfern gab es nur manchmal W-Lan und auch der Strom ist hin und wieder ausgefallen. Dafür hat man auf dem Weg teilweise sogar recht guten Internetempfang. Ich hatte mir in Tiflis eine Simkarte (mein Tiflis Beitrag) zugelegt und war echt erstaunt, in welchen abgelegenen Winkeln man noch Empfang hat. In Deutschland muss man ja nur 3 Schritte aus einer Stadt raus gehen und schon hat man absolut kein Netz mehr. Tja, liebes Deutschland, da ist Georgien weiter als du!

Die Wanderung

Tag 1 Tag 2 Tag 3 Tag 4
Kilometer 16 10 ** 18 12.4
Höhenmeter 763m bergauf
523m bergab
900m bergauf
527m bergab
850m bergauf
1000m bergab
644m bergauf
436m bergab
Anzahl meiner Schritte  27.700 25.900 34.400 32.600

**laut meiner Uhr (die Schritte und einen Haufen anderen Kram zählt) waren es 15 Km.
***laut meiner Uhr waren es 19 Km.

Tag 1 von Mestia nach Zhabeshi

Nach dem ich die letze Nacht nicht so gut geschlafen habe, da es sehr kalt war gab es dann um 8 Uhr ein leckeres (aber sehr salziges) Frühstück.
Dann den Rucksack fertig gepackt und los. Ich war super aufgeregt und neugierig, was mich erwartet.

Bin am Anfang erstmal den falschen Weg gelaufen, ein Stück zurück und dann zum Glück den richtigen Weg gleich gefunden. Zu Beginn ging es noch recht gemächlich bergan, was sich dann aber schnell änderte. Es ging super steil hoch und ich habe meinen schweren Rucksack verflucht. Durch den schweren Rucksack war ich langsam unterwegs, obwohl ich eine gute Läuferin bin. Ich hab geschnauft wie ein Kamel und musste immer wieder kurz stehen bleiben um Luft zu holen.

die Aussicht an Tag 1 auf dem Weg nach Zhabeshi
die Aussicht an Tag 1 auf dem Weg nach Zhabeshi

Oben angekommen wurde ich dann mit einem wirklich schönen Ausblick über das Tal belohnt.
Man sah den Fluss sich entlang schlängeln und darum einige kleine Dörfer mit den Wachtürmen, die so typisch für diese Region sind.

Nun läuft man immer weiter in dem Tal entlang und kommt immer näher an den Fluss heran. Am Ende geht man direkt daneben und muss sich hin und wieder den Weg um Pfützen und kleinere Bäche suchen.
Kurz vor Zhabeshi überquert man dann noch eine Brücke und ist dann auch schon dort.

Ich habe direkt am Eingang von Zhabeshi übernachtet. Direkt nach der Brücke bin ich links zu dem ersten Haus gelaufen.

die Aussicht ist auch weiterhin toll
die Aussicht ist auch weiterhin toll

Dort wurde ich von einer netten Familie beherbergt. Die Nacht inklusive Abendessen, Frühstück und Lunch-Box hat 55 Lari (~17€) gekostet.
Zum Abendessen gab es traditionelles georgisches Essen, aber so viel, dass ich gar nicht alles aufessen konnte.
Ich hatte ein Zimmer für mich alleine und das Bett war bequem und es gab eine wirklich warme Decke. Zum Glück, denn ich als Frostbeule friere ja immer sofort. W-Lan hatte die Unterkunft leider nicht, allerdings hat mir der Sohn angeboten Hotspot anzumachen. Abends habe ich mich dann noch etwas mit der Familie unterhalten. Die Sprachbarriere war hier dann leider deutlich zu spüren, vor allem mit der Mutter. Die Kinder sprachen ganz gut Englisch und im Notfall half ein Übersetzer. Georgier sind auf der Straße meist recht abweisend. So war es ein völlig anderes Gefühl, in der Küche zu sitzen und sich ganz gemütlich mit ihnen zu unterhalten.

Zum Frühstück gab es auch nochmal reichlich zu essen und dann ging es auch schon wieder weiter.

Tag 2 von Zhabeshi nach Adishi

Nach dem ich lecker gefrühstückt hatte ging es dann los nach Adishi. Heute war es gleich von Anfang an recht anstregend, denn es ging steil bergan.

der Blick zurück ins Tal
der Blick zurück ins Tal

Die Aussicht in das Tal zurück war dafür die ganze Zeit super. So blieb ich vielleicht ein oder zwei Mal häufiger stehen um Luft zu holen und die Aussicht zu genießen.

Leider tat mein Knie von der ungewohnten Belastung am Vortag etwas weh, so dass ich auch heute wieder nur recht langsam voran kam.
Auf dem Weg bergauf habe ich dann aber I. getroffen, die Urlaub mit ihren beiden Freundinnen in Georgien machte. E., eine der beiden Freundinnen habe ich dann später am Tag getroffen. Da sie schon etwas älter ist, ist sie nur einen Teil des Weges gelaufen.
Mit I. bin ich dann den restlichen Weg hoch gelaufen.

trotz der Ski Lifte ist die Aussicht beeindruckend
trotz der Ski Lifte ist die Aussicht beeindruckend

Durch die nette Unterhaltung ging es deutlich besser, da ich etwas von der Anstrengung abgelenkt war. Oben angekommen war man dann auf etwa 2.400m. Leider steht hier ein Ski-Lift, so dass die Natur nicht so unberührt wirkt, wie man es sonst aus Georgien gewohnt ist.

Hier war I. dann mit E. verabredet. Kurz Pause gemacht und dann ging es weiter. Nun läuft man die ganze Zeit relativ eben, es geht nur abwechselnd leicht bergab und bergan. Leider wurde das Wetter immer schlechter und auch der Regen nahm zu.

Mit dem Regen weichte auch der Boden auf, was es an einigen Stellen sehr rutschig machte.

hinter diesem Abhang versteckt sich Adishi
hinter diesem Abhang versteckt sich Adishi

Kurz vor Schluss sind wir dann leider falsch abgebogen und E. ist ausgerutscht. Zum Glück waren wir nur noch ein paar hundert Meter von Adishi entfernt. E. ist dann mit dem Taxi zurück nach Mestia gefahren und dort direkt zum Arzt.

Leider hat sie sich bei dem Sturz das Handegelenk gebrochen und somit die restlichen Tage nicht mehr an der Wanderung teilgenommen.

Adishi sieht man erst im letzen Moment, da es hinter einem Abhang liegt, den man ganz am Ende noch runter läuft.

das Dorf Adishi auf meiner Wanderung von Mestia nach Uscchguli
das Dorf Adishi auf meiner Wanderung von Mestia nach Uschguli

In Adishi habe ich im „Paradise“ geschlafen. Hier hat eine Nacht ebenfalls 55 Lari (~17€) gekostet. Allerdings war hier kein Lunch-Paket dabei. Ich hab mir dann einfach die Reste vom Frühstück eingepackt.

Diese Unterkunft hatte dafür W-Lan. Ich telefonierte gerade mit meinem Freund, als der Strom ausgefallen ist. Natürlich ging dann auch das W-Lan nicht mehr und durch die Lage von Adishi gab es dort ansonsten auch absolut kein Handyempfang. Ich hatte meinem Freund bis dahin noch nicht erzählt, dass es hier öfter mal zu Stromausfällen kam und jetzt hatte ich auch keine Möglichkeit ihm irgendwas mitzuteilen.
Er erzählte mir später dass unser Gespräch mit meine Worten „warte mal, da kommt jemand“ geendet hatten und er sich dann einige Sorgen gemacht hatte.

es gab wie immer viel und leckeres Essen
es gab wie immer viel und leckeres Essen

Zum Glück ist nichts passiert und für die nächsten Tage war er dann auch schon vorbereitet :D.

Abends gab es dann wieder eine reich bedeckte Tafel zu essen. Zum Frühstück gab es die Reste vom Abendessen.

Tag 3 von Adishi nach Iprari

Der dritte Tag ist der schönste aber auch der anstrengendste. Reisende, die nicht so viel Zeit haben machen oft nur den dritten Tag. Das hat man deutlich gemerkt, da mehr los war als an den Tagen zuvor.

Zu Beginn läuft man erstmal relativ eben entlang des Flusses. Die Aussicht war dabei wirklich super, denn man nähert sich immer weiter an einen Gletscher, den ich später sogar brechen hörte.

Nach etwa eineinhalb Stunde Weg muss man dann einen Fluss überqueren, ohne Brücke. Da der Fluss über den Tag hinweg anschwillt empfiehlt es sich so früh wie möglich zu starten. Als ich um etwa 10.30 Uhr am Fluss war, ging mir das Wasser etwa bis zu den Knöcheln.

der Fluss war zum Glück nicht tief, nur kalt
der Fluss war zum Glück nicht tief, nur kalt

Ich hatte aber auch schon von Anderen gehört, die bis zu den Oberschenkeln im Wasser waren. Ich war sehr dankbar, dass mir das erspart blieb, da das Wasser doch sehr kalt war.
Man kann sich hier auch von Pferden über den Fluss (und anschließend auf den Berg) tragen lassen. War mir aber etwas zu teuer.

Danach ging es ewig steil bergan. Das war wirklich kräftezehrend. Der schwere Rucksack auf dem Rücken und kein Ende in Sicht. Man konnte aber immer herrlicher in das Tal, die Berge dahinter und den Gletscher schauen. Das war wirklich toll.
Das Brechen des Gletschers war super beeindruckend zu hören. Etwas wie ein Donner. Eine tolle Naturgewalt.

Als man dann oben auf dem Pass angekommen konnte man nochmal ein Stück weiter hoch auf 2.839m. Die Aussicht war echt der Wahnsinn. Man konnte ewig weit sehen und keine 300m entfernt ein beeindruckender Gletscher mit Schnee (ich saß dort in T-Shirt und kurzer Hose).

die Aussicht von 2.839m in Georgien
die Aussicht von 2.839m in Georgien

Dort oben wurde dann Mittagspause gemacht. Es war herrlich sich von der Sonne bescheinen zu lassen und dabei sein Mittagessen zu genießen.

Danach ging es recht steil bergab. Der Rucksack hat ziemlich geschoben und ich hatte gut zu tun, das abzufedern. Nach etwa einer halben/dreiviertel Stunde ging es nur noch leicht bergab und gerade aus. Links neben einem verläuft ein Fluss, der sich einige Meter tief ins Erdreich gegraben hat. Man muss auch immer wieder kleine Rinnsale und Bäche überqueren, die in den Fluss laufen. So läuft man dann 5-6 Kilometer entlang des Flusses, relativ eben und leicht bergab.
Das Wegstück hat sich dann ziemlich gezogen. Die letzten 3-4 Kilometer hätte ich nicht gebraucht.

In Iprari angekommen, das kleinste Dorf auf dem Weg, gab es nur sehr wenige Gasthäuser. Daher waren sie auch entsprechend teuer. Hier hat eine Nacht 60 Lari (~18.50€) mit Abendessen und Frühstück gekostet. Der Besitzer hat leider absolut nicht mit sich handeln lassen. Vielleicht, wenn man ein Stück weiter geht findet man eine billigere Unterkunft. Ich war nach dem Tag aber absolut fertig und war heil froh, endlich mal sitzen zu können.
Das Abendessen und Frühstück war super lecker. Im Gegensatz zu den vorigen Tagen gab es zum Abendessen mal wieder Fleisch und das Frühstück war süß.
Eine dieser unvergesslichen Erfahrungen in Georgien machte ich in diesem kleinen Dorf. Das die Stromversorgung in den abgelegenen Dörfern nicht so gut ist hat man beim Abendessen sehr gut gemerkt. Jedes mal wenn der Wasserkocher an gemacht wurde, spendete die Glühbirne weniger Licht.

Tag 4 von Iprari nach Uschguli

Der letzte Tag ist nicht sonderlich spektakulär, daher enden viele schon am Tag 3 und machen den 4. gar nicht mehr. Da ich es aber bis zum Ende durchziehen wollte stand für mich schon zu Beginn fest, dass ich alle 4 Tage mache.

Am letzten Tag kann man sich zwischen zwei Wegen entscheiden.

es geht immer gerade aus auf dem Weg nach Uschguli
es geht immer gerade aus auf dem Weg nach Uschguli

Es gibt einen, der an der Straße (sehr staubig, da dort die ganzen Maschrutki fahren) führt oder man nimmt den etwas höher gelegenen Weg. Ich entschied mich für den etwas höher gelegenen, für den ich Anfang über einige Zäune klettern musste. Es war aber immer eine Leiter fest montiert.

Anschließend geht es dann ewig auf einem Trampelpfad immer gerade aus. Den Weg kann man hier kaum noch verfehlen, auch wenn es hier keine Wegmarkierungen mehr gibt. In einigen Wanderführern stand auch, dass der Weg hier nicht mehr gepflegt wird. Ich hatte aber absolut keine Probleme und konnte keinen Unterschied zu den Wegen an den Vortagen feststellen.

Etwa die letzten drei Kilometer muss man dann dennoch an der Straße laufen. Das macht dann echt weniger Spaß, da es super staubig ist und nicht alle Autofahrer auf eine Rücksicht nehmen.

Uschguli an sich empfand ich dann als wenig spektakulär, war aber stolz den ganzen Weg mit meinem schweren Rucksack gemeistert zu haben. Und man sagt ja nicht umsonst „der Weg ist das Ziel“.

Uschguli galt übrigens als das am höchst liegendes, noch bewohntes Dorf in Europa.

angekommen in Uschguli
angekommen in Uschguli

Es fand jedoch eine Neuvermessung statt und daher musste Uschguli den Titel an ein anderes Dorf (Juf, in der Schweiz) abgeben.

Von Uschguli wieder weg

Von Uschguli wieder weg zu kommen ist gar nicht so einach. Man muss erstmal den ganzen Weg wieder nach Mestia zurück um von dort weiter zu können. Die Preise für einen Platz in einer Maschrutka sind auch hier wieder vergleichsweise recht teuer. Man zahlt etwa 30 Lari (~10€) für (im Vergleich) wenige Kilometer.
Natürlich sind die Straßen auch hier eher Schotterpisten. Erst kurz vor Mestia sind die Straßen wieder asphaltiert.
Zudem, dass eine Fahrt sehr teuer ist fahren die Maschrutki nur einmal am Tag ab. Das bedeutet dann oft, dass man noch eine Nacht in Mestia verbringen muss, falls man die letzte Abfahrt verpasst hat.

Ich sah auch einige Leute, die versucht haben von Uschguli aus zu trampen was, wie ich denke durchaus auch möglich ist aber einige Zeit in Anspruch nimmt. Am besten am Ortseingang (es gibt nur eine Straße, die nach Uschguli führt) hinstellen und den Daumen raushalten.

Ich hatte sehr großes Glück, denn ich hatte, wie bereits berichtet auf dem Weg I. kennen gelernt, die mit ihren beiden Freundinnen in Georgien Urlaub machten und teilweise mit mir gewandert ist. Sie hatten sich für die Zeit einen Fahrer samt Auto gemietet und noch einen Platz frei. So durfte ich von Uschguli bis nach Kutaisi mitfahren. In Kutaisi blieb ich dann eine Nacht um von dort aus (über Tiflis) nach Kazbegi weiter zu reisen. Alles über Kazbegi erfährst du hier.

Fazit

Mir hat diese Wanderung super viel Spaß gemacht. Sie hat mir unglaublich viel Ruhe und Entspannung gegeben, was mir erst im Nachhinein klar wurde. Es war während der Wanderung jeden Tag klar, was man tun würde, es musste sich um nichts gekümmert werden, man hatte Empfang/Strom, vielleicht aber auch nicht und das war ok so.
Als es dann wieder darum ging in Uschguli Probleme zu lösen, wie die Freundinnen von I. zu finden (mit denen ich heim gefahren bin) war das schon zu viel.
Als es dann auch immer weiter Richtung Zivilisation ging und das Internet wieder deutlich besser wurde, war das ein total ungewohntes Gefühl.
Ich fand das auf jeden Fall eine total spannende und interessante Erfahrung und würde sie immer wieder machen wollen. Blut habe ich auf jeden Fall geleckt.

Abschlusstipp: In Uschguli wurde vor einigen Jahren ein Film gedreht, in dem die Dorfbewohner mitspielen. Ich habe es leider nicht geschafft in den Film zu gehen, aber er soll sehr gut und authentisch sein. Er handelt um die Frauensicht und deren Probleme dieser Region.

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