Georgien: Ein Kompendium

„Ich fahre diesen Sommer nach Georgien“

„Was willst du denn in Georgien? Da gibt’s doch nichts!“

  • die Holy Trinity Cathedral in Tiflis
    die Holy Trinity Cathedral in Tiflis

So oder so ähnlich waren die Reaktionen auf mein nächstes Reiseziel. Doch die Vorurteile die mir viele entgegen brachten stellten sich als vollkommen falsch heraus. Als ich mich entschloss nach Georgien zu reisen freute ich mich auf unberührte Natur, interessante Städte, einfach eine andere Sicht auf die Welt und meine Erwartungen wurden weit übertroffen.

 

Allgemeines über Georgien

Von A nach B innerhalb von Georgien

Einkaufen und Märkte

Essen und Trinken

Kosten

Route

Unterkünfte (ein Auszug)

Allgemeines über Georgien

Georgien, das in Georgisch eigentlich Sarkatwelo (საქართველო) genannt wird, liegt zwischen Europa und Asien und ist über Land- und Luftweg erreichbar. Ich bin von Berlin aus mit dem Flugzeug nach Tiflis geflogen und über gleichen Weg auch wieder zurück nach Deutschland. Das verlief ohne Probleme mit Türkisch Airline mit Zwischenlandung in Istanbul. Da überall zu lesen ist, dass Nachts kein Bus vom Flughafen in Tiflis fährt und ich um 4:30 Uhr ankam, habe ich mir ein Taxi über die Unterkunft bestellt. Dies hat 30 Lari gekostet (etwa 10€).

In meiner letzten Unterkunft in Tiflis erfuhr ich, dass es einen einzigen Bus gibt, der 24/7 fährt: Der Bus zum Flughafen. Dieser fährt alle halbe Stunde.
Auf dem Rückweg zum Flughafen habe ich dann einfach den blauen Bus 137 zum Flughafen ab der Haltestelle „Baratashvili Street“ genommen. Diese befindet sich nahe des „Liberty“ oder auch „Freedom Square“ genannt, wo es auch eine Metrohaltestelle gibt. Der Bus hat mich 50 Tetri gekostet (etwa 15 Cent).

Die meist gesprochenen Sprachen sind georgisch und russisch. Die jüngere Generation spricht schon etwas englisch und hin und wieder findet man auch jemand der drei Worte deutsch spricht.

Die Währung wird „Lari“ genannt und steht zum Euro in einem Kurs von etwa 1:3. Somit ist 1 € etwa 3 Lari. Der Cent heißt „Tetri“.             

Wichtige Phrasen auf Georgisch sind

გამარჯობა [Gamajorba] Hallo
ნახვამდის [Nakhvamdis] Auf Wiedersehen
მადლობა / დიდი მადლობა [Madloba / didi madloba] Danke / Vielen Dank

Von A nach B innerhalb von Georgien

Um sich in Georgien in der Stadt zu bewegen gibt es verschiedene Möglichkeiten. So stehen einem in größeren Städten wie Tiflis öffentliche Busse (meist in gelb, blau oder grün) und eine Metro zur Verfügung. Wohingegen es in Stepantsminda keine öffentlichen Verkehrsmittel gibt und man auf „Touren“ oder Taxen zurückgreifen muss. Ich habe Touren extra in Anführungsstrichelchen gepackt, da es oft in Georgien einfach nur heißt, dass man zu einer (oder mehreren) Attraktion fährt, ohne Guide der einem etwas dazu erzählt. Meist kann der Fahrer auch nur sehr wenig, wenn überhaupt Englisch.

Taxen und Touren sind natürlich im Vergleich zu den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr teuer, wenn auch noch deutlich billiger, als wir es zum Beispiel aus Deutschland kennen. Zu den genauen Taxipreisen kann ich jedoch nichts sagen, da ich das nie genutzt habe.

Die Öffentlichen in Tiflis und anderen größeren Städten wie zum Beispiel Batumi kann man einfach mit einer Metro-Card nutzen. Diese kostet 2 Lari (~0,6€) und kann an allen Metro-Stationen erworben werden. Diese Karte kann man an orangenen Automaten (die stehen dort überall) ganz einfach aufladen. Pro Fahrt zahlt man dann 50 Tetri (~15 Cent) und kann innerhalb der nächsten 90 Minuten so oft umsteigen wie man möchte. Einfach die Karte jedes Mal beim Betreten an den kleinen Karten-Scanner im Bus halten oder in der Metro am Eingang am Drehkreuz. Falls man zu zweit fährt ist das auch kein Problem, einfach die Karte nacheinander benutzen.

Außerhalb der Stadt gibt es dann „Maschrutki“ (russisch [Маршрутка] für kleine Minibusse, Einzahl Maschrutka) und Züge.

Die Maschrutki (meist in weiß) fahren meist ab Busbahnhöfen oder Metrostationen. Man geht dort einfach hin, sucht die Maschrutka, die dort hin fährt wo man hinmöchte (fragt nach dem Preis) und setzt sich rein. Meistens fahren sie erst, wenn auch der letzte Platz belegt ist. Oft hat das nicht länger als eine Stunde gedauert. Ich hatte den Eindruck, dass sie meistens zur vollen Stunde gefahren sind. Vorher ein Ticket zu kaufen ist nicht möglich, aber auch nicht nötig.
Kleiner Tipp an den Busbahnhöfen nicht auf die Taxifahrer hören. Die erzählen oft, dass man die letzte Maschrutka gerade verpasst hätte oder dass er im kleinen Sammeltaxi einem einen super Preis macht (Sammeltaxi meint auch hier, man wartet bis alle Plätze voll sind und zahlt dann gemeinsam das Taxi). Meistens sind die Maschrutki trotzdem deutlich billiger.

Eine weitere Möglichkeit um von Stadt zu Stadt zu kommen ist mit Zügen. Diese fahren äußerst pünktlich und im Vergleich zu Maschrutki liegt der Preis ungefähr im gleichen Niveau. Hierbei ist jedoch nachteilig, dass die Züge vor allem während der Hauptsaison oft sehr schnell ausgebucht sind und man die Karten zwar theoretisch online kaufen könnte jedoch gibt es die Webseite (https://tickets.railway.ge/) nur in georgischer Sprache (am PC kann man es teilweise jedoch dank Google übersetzen). Vor Ort am Bahnhof kann man natürlich auch Tickets kaufen.

Besonders beliebt ist hier der Nachtbus von Tiflis nach Zugdidi um von dort dann weiter nach Mestia zu reisen. Der Nachtzug hat natürlich den Vorteil, dass man sich eine Nacht in einer Unterkunft spart.

Von vielen anderen Reisenden habe ich zudem gehört das Trampen in Georgien sehr einfach ist (abgesehen von der Sprachbarriere). Ich selbst bin nur zwei Mal für eher kürzere Strecken getrampt, hat aber super funktioniert. Jedoch habe ich meist nur bei Autos den Daumen raus gehalten, bei denen entweder mehr als eine Person im Auto saß oder ich mir recht sicher war, dass es auch Touristen sind.

Einkaufen und Märkte

In vielen Städten gibt es Märkte, die von Obst und Gemüse bis hin zu Brot, Kuchen und riesen Fleischkeulen alles anbieten. Natürlich zahlt man als Tourist höhere Preise als Einheimische. Ich habe oft bei mehreren gefragt, wie viel sie für bestimmte Lebensmittel haben möchte und mir dann den günstigsten rausgesucht.

Zum Ende hin habe ich dann (fast) nur noch in Supermärkten gekauft, da es dort einfach günstiger war. Hier ist vor allem der „Carrefour“ Supermarkt zu empfehlen. Da das ein Supermarkt ist, den man aus meinen Augen auch tatsächlich als solch einen betrachten kann hat er ein großes Sortiment zu sehr günstigen Preisen. Meist liegt er etwas versteckt. Daher am besten mit Maps.Me oder Google suchen.

 

Ansonsten, jedoch etwas teurer, mochte ich „Spar“ auch gerne.

Essen und Trinken

Leitungswasser kann man prinzipiell in Georgien trinken, allerdings sind die Rohre oft sehr alt, so dass ich mir meist Wasser gekauft habe. In den Bergregionen wie beispielsweise Mestia habe ich auf meiner Mehrtageswanderung das Wasser aus den Flüssen getrunken. Falls ich mal nicht zum Einkaufen gekommen bin habe ich auch das Leitungswasser abgekocht.

Georgien ist ansonsten noch für seinen Wein bekannt. Ich durfte mehrere probieren, allerdings bin ich nicht so die Wein-Trinkerin und waren die Weine auch alle recht sauer.
In den Weinregionen wird überall mit „Wine-Tastings“ geworben.

Neben dem Wein, den man überall erhält kann man auch sogenannten „Chacha“, der aus vergorenen Weintrauben hergestellt wird und sehr hochprozentig ist probieren. Aufgrund meiner Wein-Erfahrungen habe ich mich das allerdings nicht getraut (Tipp: In Tiflis gibt es kostenlose Stadtführungen, die auch kleine Weinproben verteilen).

Tschurtschchela (georgisch ჩურჩხელა, russisch чурчхела) sind auf Faden aufgefädelte Nüsse, die mit einer Art Fruchtgelee ummantelt sind. Das Fruchtgelee ist nicht richtig süß, ich empfand es eher als etwas gummiartig. Man muss es einfach probiert haben, es ist super schwer zu beschreiben. Gibt es in Georgien auch an sehr vielen Straßenständen zu kaufen, etwa 2 Lari (~60 Cent) pro Stück.

Khinkali

Khinkali

Eine weitere georgische Spezialität sind die Khinkali (georgisch ხინკალი) . Das sind Teigtaschen mit unterschiedlichsten Füllungen. Von verschiedenen Fleischsorten über Käse und Pilzen ist alles dabei.
Die Taschen werden in Salzwasser gekocht und warm serviert.
Mich haben sie sehr stark an Maultaschen erinnert, nur eben mit anderer Füllung.

Gegessen werden Khinkali indem man die Spitze greift, da sie kälter ist und beißt etwas von dem unteren Teil ab. Anschließend wird der Saft aus der Tasche getrunken und der Rest gegessen. Die Spitze ist recht hart und wird nicht mit gegessen. Wenn man innerhalb einer Gruppe ist kann man am Ende anhand der Spitzen vergleichen, wer wie viele Teigtaschen geschafft hat.

Meistens muss man mindestens drei einer Sorte nehmen, es lohnt sich also in einer Gruppe essen zu gehen. Eine Khinkali kostet dann je nach Sorte zwischen 0,6 und 1 Lari. (~20-30 Cent)

Es gibt auch sehr viele kleine Bäckereien, die verschiedene Brote anbieten. Hierbei ist Fladenbrot sehr verbreitet. Des weiteren gibt es auch viele Teigtaschen, die wieder mit verschiedenen Sachen gefüllt sind. Von roten Bohnen über Käse und Pilzen ist auch hier wieder alles dabei.

Kosten

Allgemein kann man sagen, das Georgien ein (noch) sehr günstiges Reiseland ist. Luft nach oben ist natürlich immer. Ich habe jedoch auf mein Budget geachtet und hatte mir vorher ein Tageslimit von 25€ pro Tag gesetzt. Nach meinen 3 Wochen habe ich dann knapp 13€ pro Tag benötigt.

Kosten für die Unterkunft

Hier habe ich im Schnitt 5,80€ pro Nacht bezahlt. Allerdings kann man das so pauschal nicht sagen, da es hier je nach Region sehr große Unterschiede gibt.

So habe ich beispielsweise für Hostels in Tiflis und Kutaisi pro Nacht 9-15 Lari (~2,80-4,70€) bezahlt. Wohingegen man in Mestia und Umgebung meistens nur Guesthouses zur Verfügung hatte und zwischen 30-60 Lari pro Nacht zahlte (~9,20-19€, wobei hier meistens Frühstück und Abendessen dabei war).

Kosten für Transport

Fahrten habe ich meist mit den Maschrutki gemacht. Hierbei zahlte ich im Durchschnitt 3€ pro Tag.
Meine Billigste Fahrt betrug 60 Cent bis hin zur teuersten 8,40€. Hier kommt es auch wieder auf die Region an. Rund um Tiflis sind die Fahrten recht günstig. Richtung Mestia wird es wieder etwas teurer.

Kosten für Essen und Getränken

Für Essen und Getränke habe ich im Durchschnitt 2,41€ pro Tag gezahlt. Dabei habe ich meistens auf Märkten oder im Supermarkt eingekauft.

Hierzu sei allerdings noch zu erwähnen, dass ich kein allzu großer Esser bin, falls du also schon gerne isst solltest du dein Budget vielleicht hier etwas größer kalkulieren.

Kosten für Unternehmungen

Touren habe ich sehr selten gemacht. Meistens bin ich mit den öffentlichen Bussen gefahren, was dann unter dem Punkt Transport aufgefasst wurde. Daher habe ich hier nur ein Tagesdurchschnitt von 50 Cent.

Kosten für Shopping, Souvenirs und Telefonie

Hier habe ich einen Verbrauch von 1,20€ pro Tag.

Da ich gerne (und viele) Postkarten schreibe ist das relativ hoch ausgefallen. An Souvenirs habe ich lediglich ein Glas Honig und drei Flaschen georgisches Bier gekauft.

Eine Simkarte hat mich 15 Lari (~4,70€) gekostet mit 3 GB für 30 Tage. Man kann natürlich auch eine Sim mit mehr GB kaufen, die werden dann natürlich auch teurer.

Route

Meine Reiseroute in Georgien

 

Ich bin in Tiflis gestartet, danach ging es nach Kutaissi. Von dort aus ging es nach Mestia. Dort habe ich eine Nacht geschlafen und die folgenden 3 Tage bin ich nach Uschguli gewandert.

Von Uschguli kommt man erstmal nur nach Mestia. Um von Mestia dann nach Kazbegi zu kommen, das eigentlich Stepansminda heißt bedarf es Zeit oder Geld. Ich entschied mich erstmal nur bis Kutaissi zu fahren und dort eine Nacht zu schlafen. Am nächsten Morgen ging es dann zurück nach Tiflis und von dort nach Kazbegi.
Man kann auch von Mestia nach Zugdidi und mit dem Nachtzug nach Tiflis, da ich jedoch keine Tickets online kaufen konnte war mir das zu risikobehaftet.

Von Kazbegi ging es wieder zurück nach Tiflis um am gleichen Tag noch nach Sighnaghi zu fahren.

Am Ende war ich dann nochmal 6 Nächte in Tiflis.

Unterkünfte (ein Auszug)

Geschlafen habe ich, sofern eins vorhanden war immer in Hostels im Mehrbettschlafraum. Bis auf die Unterkunft in Sighnaghi war ich auch immer zufrieden. Teilweise gab es auch Frühstück direkt im Hostel.

In Tiflis habe ich im Queens-Hostel (12 Lari pro Nacht mit Frühstück), im Art Gate (15 Lari pro Nacht und kostenlosem Wäsche-Service) und im Indi-Mindi (9 Lari pro Nacht) geschlafen.

Hier hat mir das Indi-Mindi am besten gefallen, da es ein sehr kleines Hostel ist und gemütlich in einem Hinterhof liegt. Man kann im Gemeinschaftsraum oder auf der Dachterrasse entspannen oder mit den beiden Katzen schmusen. Charlie, der das Hostel leitet ist zudem super nett und weiß sehr viel über Georgien und den kompletten Kaukasus. Von ihm habe ich auch einige Tipps in und rund um Tiflis erhalten.

In Kutaisi habe ich im Top Home Hostel (12 Lari pro Nacht mit Frühstück) geschlafen. Das wird von einer Frau geleitet, die sehr gut englisch spricht und sich auch gut mit der Region auskennt. Sie hilft gerne und gibt dir auch Tipps. Von ihr habe ich den Tipp bekommen nach Skaltubo zu fahren.

In Mestia und Orte auf dem Weg nach Uschguli habe ich in verschiedenen Guesthouses geschlafen.
Das Guesthouse in Mestia hat 30 Lari (mit Frühstück) gekostet, wohingegen es in den kleinen Orten auf dem Weg nach Uschguli 55-60 Lari (mit Frühstück und Abendessen, Lunchbox kostet meistens extra) waren.
In den Dörfern habe ich nie im Voraus gebucht, sondern habe an der Tür einfach nach dem Preis gefragt. Hier ist handeln erlaubt. Bei den Hostels habe ich 1-2 Nächte im voraus gebucht und falls es mir gefallen hat, habe ich einfach verlängert.
Von anderen Reisenden habe ich gehört, das man auch einfach so im Hostel fragen, sich alles anschauen und dann entscheiden kann ob man da bleibt oder nicht.

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